Säntis Classic 2019

Am Sonntag, dem 02. Juni 2019, wurde in Weinfelden zum 20. Mal der Säntis Classic ausgetragen. Das sind 130 km und 1800 Höhenmeter. Höhepunkt der Strecke ist die Schwägalp mit einer Passhöhe von 1350m und der 2. Verpflegungsstation. Aufgrund des hervorragenden Kaiserwetters habe ich mich dazu entschlossen, auch An- und Heimfahrt mit dem Rad zu machen. Hinwärts ging es auf ziemlich direktem Weg von Überlingen nach Meersburg, mit der Fähre nach Konstanz, von dort nach Weinfelden. Für den Rückweg hatte ich mir mehrere Optionen offen gehalten, je nach Verfassung am Ende der Säntis-Runde. Schlussendlich hatte ich 254km und 2800 Höhenmeter in den Beinen.

Gestartet um 6:30 bin ich ca. 1,5h und 33km später in Weinfelden angekommen. Bis zum Start der Hobby-Gruppe um 9:40 hatte ich also noch reichlich Zeit, Startnummer anzubringen und in Ruhe noch was zu frühstücken. Wegen der großen Anzahl an Teilnehmern wurde die Hobby-Gruppe (wie auch einige andere) nochmals aufgeteilt. Um nicht in einer zu großen Gruppe fahren zu müssen, habe ich auf die letzte spekuliert, dass diese dann nicht mehr so groß sein wird. Die Rechnung ist aufgegangen – wir waren rund ein Dutzend Fahrer im Gegensatz zu den anderen, die 2- bis 3-mal so groß gewesen sind. Novum war, dass die beiden Gruppenführer den Pulk schon ca. 1km nach dem Start wieder angehalten haben. Die Gruppenführer stellten sich persönlich vor und führten ein kurzes Briefing durch. Uns wurden ein paar wichtige Handzeichen erklärt und wie in der Gruppe zu fahren ist. Das fand ich echt Klasse. Schade ist nur gewesen, dass es ein paar Teilnehmer nicht so richtig verstanden haben. Vier Teilnehmer aus einem Triathlon-Verein sind mehr mit sich selbst beschäftigt gewesen als konzentriert in der Gruppe zu fahren. Durch ständige Quatscherei und Fotos machen, ließen sie immer wieder Löcher entstehen, die den Fluss störten und die Gruppe langsam werden ließ. Bis zur ersten Verpflegungsstelle nach 55km haben uns so ziemlich alle nach uns gestarteten Sport- und Speed-Gruppen überholt gehabt.

Während der Stärkung bei der Verpflegungsstelle erreichte uns eine tragische Nachricht. Einer der Teilnehmer, der für sich selber in der Open-Klasse fuhr, ist auf der Abfahrt von der Schwägalp in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt worden. Eine 37-jährige Autofahrerin hat ihn übersehen und ihm die Vorfahrt genommen (schlimme selbst gemachte Erfahrungen sind in mir wach geworden). Der gesamte Abschnitt von der Passhöhe bis hinunter wurde nach dem Unfall von der Polizei für 2,5h komplett gesperrt. Keiner durfte rauf, keiner durfte runter, weder mit Auto noch mit dem Rad. Oben bildete sich natürlich ein Riesen Stau von Teilnehmern. Einige, die schon länger dort oben ausharren mussten, beschlossen umzukehren und die Anfahrtsstrecke wieder zurück zu fahren. Für mich betrug die Wartezeit dort oben ca. eine halbe Stunde, die ich mit Stärkung an der 2. Verpflegungsstation oben auf der Schwägalp und putzen der verschwitzten Griffe mit Schnee, den es noch dort oben gab, verbrachte. Um die Radfahrer sicher vom Berg runter zu bekommen, entschied die Polizei, für die Teilnehmer ein kurzes Zeitfenster zu öffnen, wo diese ohne Autoverkehr abfahren konnten.

Ich habe unseren Gruppenführer gebeten, uns auch einzureihen, was er aber ablehnte. Der Grund war, dass noch nicht alle aus unserer Gruppe oben angekommen waren und er natürlich pflichtbewußt auf diese warten musste. Da nicht bekannt war, wann das zweite Zeitfenster für die Radfahrer geöffnet werden konnte, beschloss ich, mich einer anderen Gruppe anzuschließen und meldete mich von meinem Gruppenführer ab. Schließlich musste ich ja auch noch bis Überlingen zurückfahren.

Bei der Auffahrt merkte ich schon, dass ich an dem Tag gute Beine hatte. Um weiter Zeit gut zu machen, reihte ich mich in eine Sportgruppe ein, die laut Ausschreibung einen Schnitt bis 27km/h fahren. Die Abfahrt war phantastisch so ganz ohne Autoverkehr. In der Sportgruppe konnte ich dann auch bis ins Ziel mithalten und damit einiges wieder gut machen. Mein Schnitt ab der 1. Verpflegungsstation, also incl. des langen Anstiegs zur Schwägalp betrug 26,5km/h.

Im Ziel gab es leckere Nudeln mit Pasta bei immer noch traumhaften Wetter. Auch meine Beine waren noch so gut, dass ich eine etwas ausgedehntere Heimfahrt in Angriff nahm incl. kurzem Strecken-Check für das darauffolgende Event, die Bodensee-Hegau-Panoramatour. Von Weinfelden aus führte mich die Strecke westlich fahrend über Müllheim, Oberstammheim, Diessenhofen nach Randegg, dem zentralen Verpflegungspunkt der Panoramatour. Wegen der fortgeschrittenen Stunde habe ich dann den ziemlich direkten Weg nach Hause genommen über Gottmadingen, Singen, Bodman, Ludwigshafen. Fast auf die Minute pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich wieder in Überlingen eingetroffen, glücklich und zufrieden, es gesund, ohne Pannen und Unfälle geschafft zu haben.

 

Quelle der Fotos:

https://photos.google.com/share/AF1QipPK_TyYiWyOdrAKaSkyqJZaGLuYdAisFXzJyPVC2OyQHsAyyUlAThB8byJihv1eow?key=OUdXSThpYUNOMUJGNHM3SlBTNE9hM1Bwdy1Tbk53

 

Streckenübersicht auf STRAVA:

https://www.strava.com/activities/2418820231

 

Strecken-Animation:

https://www.relive.cc/view/v26MKJVEREv

 

Viele Grüße,

Leo