3. Turin – Nizza Ralley 2018

3. Turin – Nizza Ralley 2018:

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Olli Eisele hat mich dieses Frühjahr auf die Turin – Nizza Ralley (TNR) angesprochen und ich war gleich Feuer und Flamme. Die TNR ist ein „self supporting event“. Das bedeutet, gegen eine Teilnahmegebühr von 1,-€, die einem wohltätigen Zweck zu gehen, erhält man die GPS Daten der Strecke, ein paar Zusatzinformationen zu Campingplätzen oder Berghütten und das war´s. Weitere Hilfen oder Unterstützung in Form von Verpflegung, Gepäcktransport oder gar Übernachtungsmöglichkeiten gibt es nicht. Das heißt doch, es gibt noch einen offiziellen Startort und –termin: der 3.9.2018 auf der Piazza Giambattista Bodoni in Turin.

 

So trafen sich ca. 200 Radfahrer abenteuerlustige Mountain Biker und Gravelbiker zum gemeinsamen Start. Nach der Ausfahrt aus Turin folgte nach ca. 50 km der erste Anstieg auf den Col de Lombardo als Einstimmung auf die zu erwartenden Strecken. Die Steigung liegt über 12 km hauptsächlich im zweistelligen Bereich, gerne an dessen oberen Ende. Das kann mich als Alpenmarathonfahrer ja eigentlich nicht schrecken, jedoch war ich diesmal nicht auf einem 7 kg Carbon Renner unterwegs, sondern mit dem 2 kg schwereren Gravelbike, das zu dem noch mal mit ca. 13 kg Gepäck beladen war. Somit relativiert sich das ganze. In vermeintlich weiser Voraussicht hatte ich im Vorfeld zu meiner 50/34 Kurbel eine Bergcassette mit 34ér Ritzel montiert, in der Annahme, damit gut über die Berg zu kommen. Was für eine Selbstüberschätzung! Es war ja nicht nur das Gewicht, welches das Klettern erschwerte, sondern natürlich auch das Geläuf: Anstelle von feinem schweizer Asphalt gab´s Schotterwege. Die haben jedoch nichts mit einem Schotterweg im Birnauer Forst gemeinsam, sondern mehr mit dem Gleisschotter auf dem Bahndamm zwischen Nußdorf und Uhldingen.

 

So ging es in 6 Tagen quer durch die Haute Alps, teilweise auf Asphalt über die Großen Tour de France Pässe wie den Col dÍ zoard oder den Col de Angel, meist jedoch auf Schotterpisten über Pässe wie den Col de Fenestra oder den Col de Turini. So kam am längsten Tag 103 km mit rund 3.500 Höhenmeter zusammen. Das klingt nicht viel, dauert aber bei einem Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h eine ganze Weile.

 

Die große Gruppe der Starter ist natürlich schnell zersplittert, jeder mußte ja sein Tempo fahren. An Raststellen, wenn man ein Stück gemeinsam geradelt ist oder abends traf man jedoch immer wieder die gleichen Leute, mit denen man sich über die Erlebnisse des Tages, das Wetter und das Leben an sich austauschten konnte. So wurde die Ralley doch zu einem Gemeinschaftserlebnis.

 

Übernachtet wurde auf Campingplätzen, Berghütten oder einfach am „Straßenrand“. Nur nach einer sturzartigen, gewittergetriebenen Talabfahrt aus 2.500 m Höhe einschließlich Irrfahrt habe ich mir ein Hotelzimmer gegönnt, nachdem es mir gelungen war, den Wirt davon zu überzeugen, mir ein Zimmer zu überlassen, obwohl ich von oben bis untern tropf naß und dreckig war.

 

 

Höhepunkte waren sicherlich

 

der Aufstieg auf den Col de Fenestra


 

Die Strada de la Assietta, die sich auf einem Höhenrücken hinschlängelt

 


 


und vor allem der Via de Sal, der auf über 50 km auf groben Schotter stetig zwischen Frankreich und Italien pendelnd ins Tal führte:

 

 

 

Krönender Abschluß war dann am 6. Tag die Abfahrt vom Col de Turini nach Nizza. Auf 35 km ging es von 2000 Meter Höhe herab auf Meeresniveau. War der Anfang noch hoch alpin ging es bald durch die typisch mediterrane Landschaft mit Pinien, Sonne und kunstvoll gewundene Bergstraßen. Vor lauter Serpentinen konnte ich keine Foto´s mehr schießen.

 

Für´s nächste Mal wird das Gepäck weniger, die Reifen noch ein bisschen breiter (45 mm passen noch in meinen Rahmen) und vor allem kommt hinten mindestens ein 40ér Ritzel. Eine Übersetzung mit 36 / 42 oder gar 34 / 42 halte ich für die beste Lösung. Also, Augen offen halten und im nächsten Frühjahr nicht die Anmeldung verpassen, Teilnahme lohnt sich.

 

Viele Grüße

 

Klaus