World Championship Finale in Varese

UCI Gran Fondo World Series / World Championship Finale in Varese

 

 

 

Nach der Qualifikation in Ljubljana ging es nun also nach Varese zum WM Finale. Wir waren bereits einige Tage vor Ort, genug Zeit also um die Strecken zu besichtigen.

Die 22 km Zeitfahrstrecke erwies sich bis auf zwei 90°-Kurven, zwei Kreiseln und einer 180°-Wende als technisch nicht sonderlich schwierig, jedoch mit einer langen Steigung auf der ersten Streckenhälfte war cleveres Pacing gefragt. Hier galt es, nicht zu überziehen um für den Rückweg noch Körner übrig zu haben.

Die 130 km Strecke des Straßenrennens konnte ich ca. zur Hälfte abfahren – danach war klar was ich schon im Vorfeld gesehen hatte: Schwer. Sehr schwer. Ideal für leichte Bergfahrer, weniger was für Rouleure wie mich. Schmale, enge und vor allem sehr schlechte Straßen, vier Anstiege, kurze und knackige Rampen, finaler Anstieg nach Varese. Ich hoffte auf trockene Straßen und dass sich das Feld meiner Altersklasse möglichst rasch in die Länge zieht…

Das Zeitfahren ging schon am Vortag los mit einem freiwilligen, inoffiziellen Bikecheck der UCI (der Check unmittelbar vor Start ist dagegen verpflichtend). Eigentlich wollte ich mir den Check sparen, denn natürlich war ich mir sicher, dass ich die Maße meines TT-Bikes korrekt eingestellt hatte. Da ich aber sowieso die Startunterlagen holen musste nahm ich das Bike mit…und siehe da, die UCI meinte der Sattel sei zu weit vorne und die Extensions zu lang. Auffällig war, dass dies bei vielen Fahrern befundet wurde und dies auch überwiegend bei einer der zwei vorhandenen Messlehren. Es wäre nicht das erste Mal dass eine UCI-Messlehre nicht kalibriert ist…
Der Sattel war schnell verschoben, aber die Extensions waren bereits am Anschlag und konnten nur durch Zerlegen und Absägen gekürzt werden. Also hieß es kurz vor Ladenschluss noch einen Bikeshop finden…knapp 2 Stunden später war der Check dann zwar bestanden aber ich saß anders als bisher auf meinem Zeitfahrrad :-(
Am nächsten Tag war Time Trial-Tag. Knapp 600 Fahrer in den verschiedenen Altersklassen waren am Start. Los ging’s früh morgens mit den ersten Startern, ich war am frühen Nachmittag dran – genug Zeit also für die inzwischen bewährte Ernährungs- und Warm-Up-Routine vor einem Zeitfahren. Das Wetter spielte auch mit, trocken und sehr warm. Los ging’s zunächst auf den ersten drei Kilometern flach und leicht bergab, ideal um auf Touren zu kommen. Es folgte dann der bereits erwähnte Anstieg mit ca. 6 km Länge. Fühlte ich mich anfangs noch sehr gut war dies im weiteren Verlauf nicht mehr so der Fall…ich fühlte mich eingeengt und überhitzt. Eine Folge der neuen Position und des neuen, relativ dicken Zeitfahranzugs? Vielleicht. Auf dem Rückweg – überwiegend bergab – musste ich mehrmals rausnehmen um mich ein wenig zu erholen…eher schlecht bei einem Zeitfahren. Letzte Kräfte konnte ich dann aber für eine kurze, sehr steile Rampe und für das letzte Flachstück ins Ziel mobilisieren. Meine Zeit: 32:20 min. Platzierung: 38 von 84 Startern in meiner AK 50-54 (bzw. 212 von 563 Men overall). Zum Treppchen fehlten mir dabei gute 3 min…Welten :-(

Das Straßenrennen fand drei Tage später statt. Knapp 2000 Starter auf der langen Strecke (130 km / 2000 hm Gran Fondo) und ca. 500 auf der kurzen Strecke (105 km / 1500 hm Medio Fondo) standen in den unterschiedlichen AKs am Start. Mit knapp 400 Startern stellte dabei meine AK 50-54 das größte Starterfeld dar. Eine Anzahl die durchaus kritisch hinterfragt werden sollte (selbst bei den Profis ist bei 200 Schluss!).
Gestartet wurden die AKs in 7 min Abständen, damit war man zumindest am Anfang „unter sich“…Los ging’s in einer kleiner Schleife durch Varese und raus auf die Zeitfahrstrecke (der oben erwähnte Anstieg wurde dabei schneller und mit weniger Watt bewältigt als beim Zeitfahren…Windschatten ist was schönes ;)). Leider gab’s hier dann auch einen heftigen Massensturz dem ich aber zum Glück entgehen konnte…
Mein Plan war bis zum ersten Anstieg an die Spitze des Feldes zu gelangen um zumindest bis zum zweiten Anstieg die Spitzengruppe zu halten. Leider gab es jedoch in diesem großen Feld keine Chance für mich nach vorne zu kommen. Den ersten Anstieg habe ich zwar nicht viel langsamer als die Spitze erklommen, in der nachfolgenden Abfahrt und dem anschließenden Flachstück am Lago di Lugano entlang konnten wir aber die Spitzengruppe bereits nicht mehr einholen. Dass ich mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun haben werde war mir natürlich vorher klar, aber dass es dann doch so schnell gehen würde…aber egal, weiterhin hieß es heil und möglichst schnell ins Ziel kommen :-)
Leider hatte ich im Eifer des Gefechts in den ersten 90 Minuten meine Ernährung vernachlässigt was sich bei mir zuverlässig – zumindest bei diesen Intensitäten – in Krämpfen äußert. Ich musste also Mitte des Rennens etwas rausnehmen. Es wurde dann zwar nicht schlimmer, aber das Vertrauen, bei Anstiegen richtig reintreten zu können war dahin. Der letzte Anstieg nach Varese rein ging dann jedoch wieder relativ gut, trotzdem hatte ich unterwegs doch den ein oder anderen Platz verloren.
Meine Zeit: 03:58:43 min. Platzierung: 182 von 384 Startern in meiner AK 50-54 (bzw. 976  von 1832 Men overall). Zum Treppchen fehlten mir dabei knappe 30 min…erneut: Welten :-(

Fazit: Trotz der nicht optimal für mich verlaufenden beiden Rennen waren die erzielten Zeiten im Rahmen meiner Erwartungen – im Gegensatz zu den Platzierungen. Klar, aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen machen geringe Zeitabstände gleich große Platzierungssprünge aus, aber der Zeitabstand zur Spitze speziell beim Zeitfahren war doch eher ernüchternd. Aber gut, es treffen sich hier die Weltbesten, die Früchte hängen hoch :-). Abgesehen davon war es eine solide organisierte Veranstaltung, bei der natürlich der Kommerz im Vordergrund steht und weniger die Sicherheit und das Wohl der Fahrer ((zu) großes Starterfeld, schlechte Straßen, enge, gefährliche Abfahrten). Die Gegend um Varese und speziell den Lago Maggiore (wo wir wohnten) ist toll und lädt – zumindest abseits der Uferstraßen – zu schönen Radtouren ein.

Der Südkurier berichtet.
Download Südkurier Bericht

 

UCI Gran Fondo World Series:

http://www.sport.be/ucigranfondoworldseries/2018/en/

UCI WM Finale Varese:

https://www.varesegranfondouci2018.com/

Die Rennen auf Strava:

TT: https://www.strava.com/activities/1807501882

Road Race: https://www.strava.com/activities/1813787651/overview

 

 

 

 

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