Auf den Spuren der Tour de France
Eine Gruppe Rennradfahrer der Radsportfreunde Überlingen meisterte die "Route des Grand Alpes"
Fünf Radler des Vereins haben in den schweizerischen/französischen Alpen die höchsten Pässe, über die auch die Profis der Tour de France fahren, überquert.
Nach längerer Trainingsvorbereitung starteten Heinz Horn, Willi Joos, Gehard Kassner, Hans Roth, und als Gast vom RMSV Orsingen Michael Joos, mit einem Begleitfahrzeug ihre erste Etappe in der alten Grenzstadt Martigny nahe dem Genfer See.Die Route führte von der Nordseite des Großen St. Bernhard durch die Schlucht der Toten (Combe des Mortes) auf die Passhöhe in 2473 m Höhe. Im dortigen Museum wird berichtet, dass Napoleon und Kaiser Karl der Große diesen Pass ebenfalls überquert haben und, dass die hier gezüchteten Bernhardinerhunde unzähligen Menschen bei Wetterstürzen das Leben gerettet haben. Die Abfahrt in das 35 Grad warme Aostatal brachte für alle Erholung und so konnte anschließend mit grandiosem Blick auf die Nordseite des Montblancmassivs die Passhöhe des Kleinen St. Bernhard in 2188 m Höhe erklommen werden. Nach 8-stündiger Fahrt mit 164 km und 3610 Höhenmetern kamen alle geschafft im französischen Seez an. Am zweiten Tag stand bereits die zweithöchste Passstraße der Alpen auf dem Programm. Von Seez führte die Tour durch herrliche Täler und schluchtartige Verengungen vorbei an Stauseen mit Blick auf die Gletscher des Mount Pourri zum bekannten Skiort Val`d`Ìsere. Von hier ging es steil bergauf zur Passhöhe des Col de`Iseran in 2770 m Höhe. ![]() Die Anstrengungen wurden mit einem herrlichen Rundblick auf die Dreitausender des Vanoise-Nationalparks und die grauen schroffen Felsen des Gran-Paradiso-Nationalparks belohnt. Bei der anschließenden Abfahrt hatte man lange Zeit die imposanten Gletscherfelder um den Albaron im Blick, bevor in einem Gegenanstieg der zweite Pass des Tages, der Col de la Madeleine, gemeistert werden musste. Nach ca. 100 km und 2115 Höhenmetern endete dieser Tag bei gutem Essen in St. Michel de Maurienne. ![]() Der dritte Tag war geprägt von einem Klassiker der Tour de France. Eine Genusstour nach L`Alpe-d`Huez versprach Radfahren vom Feinsten. Über 19 Kehren und einer durchschnittlichen Steigung von 10 Prozent zog sich die Straße ca. 14 Kilometer zu dem bekannten Skiort nach oben. Ein atemberaubender Ausblick auf die umliegenden Bergketten und das Tal war aller Lohn dieser Mühen. Als Geheimtipp eines Kenners der Gegend wurde am vierten Tag ein unbekannter Pass oberhalb der Ortschaft Le Bourg d`Oisans erkundet. Über eine abgelegene Straße an einer senkrecht aufsteigenden Felswand und einem längeren Fußmarsch durch unberührte Natur erreichten die Radler ein zerklüftetes Tal fernab des Tourismus und lernten hier das ursprüngliche Frankreich von der schönsten Seite kennen. Der Schlusstag war für alle der "Circuit des Grand Cols" - die Königsetappe, geprägt von 170 Kilometern und 3800 Höhenmetern. Der anspruchsvolle Rundkurs führte die Radler über 5 Pässe der höchsten Kategorien in den Departements Dauphine und Savoyen. Klangvolle Namen der Berge wie Lautaret, Galibier, Telegraph, Col de Mallot und Croix de Fer vermitteln einen Teil der Anstrengungen die zu bewältigen waren. Vom Ausgangspunkt Le Bourg des Oisans führte die Straße stetig bergauf durch die Höllenschlucht ("Gorges de l`Infernet") und vorbei an dem Stausee Chambon. Weiter ging es durch die Schlucht von Malaval zwischen senkrecht abfallenden Felswänden bis zu dem kleinen Bergsteigerort La Grave, mit freier Aussicht auf die Gletscherabbrüche der Pelvouxgruppe. Nach ca. 40 Kilometern war der Lautaretpass erreicht, der gleichzeitig auch der Einstieg zum Galibierpass war. Ohne Unterbrechung ging es weiter bergauf bis zur Passhöhe in 2646 m Höhe. Der Gipfel bot einen grandiosen Rundblick auf die eisbedeckten Wände der Ecrinsgruppe und den Mount Blanc.An die steile Abfahrt schloss sich der Gegenanstieg zum Col de Telegraph an. Danach folgte eine lange Abfahrt bis in das Arctal. Hier winkte die erste Erholung auf einer ebenen Strecke bis zum Einstieg in die beiden letzten Pässe. Über den Col de Mallot und einer Zwischenabfahrt gelangten die Radler zum Croix de Fer, dem letzten und auch härtesten der Pässe dieses Tages. Mit teilweisen 14% Steigung wurden die letzten Reserven benötigt um anschließend die lange, landschaftlich wunderschöne Abfahrt bis zum Ausgangspunkt genießen zu können. Nach insgesamt gut 500 Kilometern und ca. 12000 Höhenmetern und glücklicherweise ohne Pannen oder Blessuren endete die Tour durch die französischen Alpen. Die körperlichen Strapazen wurden durch unvergleichliche Eindrücke der grandiosen Alpen- und Bergwelt mehr als ausgeglichen. Mit Präsident Willi Joos waren alle anderen Teilnehmer einig, dass im nächsten Jahr eine Fortsetzung folgen wird. |
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